Ein Tag mit...

Paula Lutum-Lenger, Ausstellungsleiterin im Haus der Geschichte Baden- Württemberg

28 Ausstellungen in 20 Jahren hat Paula Lutum-Lenger für das Haus der Geschichte gemacht. Dazu gehört ihr Meisterstück, die besonders aufwändige Entwicklung der Dauerausstellung. Es ist nicht die Sache der 52-Jährigen, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Die Jagd nach der perfekten Schau geht weiter.

„Die Ausstellung ist die Visitenkarte des Hauses“. Mit diesem Satz fasst Paula Lutum-Lenger zusammen, wie sie ihren Auftrag versteht. Sie formuliert damit nicht nur einen Qualitätsanspruch, sondern legt auch nahe, dass sie sich keineswegs darauf beschränkt, vom Schreibtisch aus die Verantwortung zu tragen. Nein, die Ausstellungsleiterin sorgt persönlich dafür, dass die Projekte des Hauses - von der immer wieder zu erneuernden Dauerausstellung über Auftragsarbeiten bis hin zu den eigenen Wechselausstellungen - jederzeit vorzeigbar sind. Auch wenn sie dafür selbst auf die Leiter steigen muss, um ein Plakat geradezurücken, oder indem sie die fertigen Texte an der Vitrine ein letztes Mal Korrektur liest. „Man muss täglich schauen, ob alles gut läuft, ob es perfekt ist und besucherfreundlich. Wenn es irgendwo nach Verkommenheit aussieht - und sei es nur, weil eine kaputte Leuchte nicht ersetzt wird - dann ist die Visitenkarte futsch“, sagt Lutum-Lenger.

Die promovierte Volkskundlerin gestaltet seit 25 Jahren Ausstellungen und genau 20 Jahre für das Haus der Geschichte. Das Mitarbeiter-Team kennt die hohen Erwartungen der Ausstellungsleiterin - und zieht mit, weil die Gestalterin die von ihr verkündeten Prinzipien vorlebt. „Da ist der Funke übergesprungen. Die anderen im Museum wissen, was mir wichtig ist“, so Paula Lutum- Lenger. „Das hat was mit Perfektionismus zu tun. Aber das ist kein Selbstzweck. Wir machen das für andere.“

Im Ergebnis werden die fertigen Ausstellungen ganz selbstverständlich als „Produkte“ betrachtet. Diese Angebote des Hauses müssen nicht nur inhaltlich einwandfrei sein, sondern sie sollen vor allem dem Besucher gefallen. Zu dieser starken Kundenorientierung gehört auch ein Beschwerdemanagement, das Lutum- Lenger als Chefsache ansieht. Wer etwas zu kritisieren hat oder Lob spenden will, kann das auf einem Formblatt hinterlassen. Lutum-Lenger nimmt sich, wenn nötig, viel Zeit, um kleinen Fehlern und Ärgernissen nachzugehen und mit den Besuchern zu sprechen. Sie ist fest davon überzeugt, dass sich diese Investition in die Zufriedenheit der Kunden auszahlt. Das Gespräch mit den Besuchern pflegt sie auch, indem sie regelmäßig persönlich Gruppen durchs Museum führt.

Der Alltag der Ausstellungsleiterin ist vollgepackt: Früh morgens erledigt sie Mails, Telefonate - soweit die Gesprächspartner schon zu erreichen sind -, widmet sich „schwierigen Briefen“, schreibt Ausstellungstexte oder kümmert sich um die Finanzplanung eines der Projekte. „Um diese Zeit bin ich als Morgenmensch besonders frisch.“ Danach zieht es sie zu den Wissenschaftlern, die in Teams Ausstellungen vorbereiten oder sich um die Sammlung kümmern. Lutum-Lenger erkundigt sich nach dem Stand der einzelnen Projekte, beantwortet Nachfragen, macht Termine aus, begutachtet eingegangene Ausstellungsobjekte, geht mit einem Kollegen oder einer Kollegin in die Ausstellung.

Oft sind um diese Zeit auch Besprechungen zu Einzelthemen angesetzt, die sich an bestimmten Tagen notgedrungen zu Sitzungsmarathons auswachsen. Dann wird beispielsweise eine geplante Ausstellung im Detail festgezurrt und endgültig mit dem wissenschaftlichen Beirat abgestimmt, dann werden der Katalog durchgesprochen oder das grafische Gesamtkonzept der Schau festgelegt. Über einen Mangel an Themen kann die Ausstellungsleiterin nicht klagen. Gleich vier Projekte laufen aktuell: Bereits im November steht die Ausstellung „Ihr und Wir. Die Integration der Heimatvertriebenen“ an, im Frühjahr folgt die Große Landesausstellung „Gefühle, wo man schwer beschreiben kann“ zum Fußball im Südwesten, im Herbst kommenden Jahres soll die Gedenkstätte Hohenasperg eröffnet werden, und in der Dauerausstellung werden die Bereiche Religion und Weltkriege überarbeitet.

Nachdem die Schau „Mythos Rommel“ weit über 40 000 Besucher verzeichnet hat, darf auch die Ausstellungsmacherin eines historischen Museums davon träumen, vielleicht einmal sogar noch mehr Publikum anzuziehen. „Eine Ausstellung über Lady Di“, sagt Paula Lutum-Lenger auf die Frage, welches Projekt sie reizen würde. „Dann würde sich die Schlange der Besucher gleich dreimal ums Haus wickeln.“ Aber natürlich wäre der Bezug zur Landesgeschichte nicht so leicht herzustellen, sinniert sie. Ihrem Gesicht sieht man an, dass es da noch eine andere Idee gibt. Aber die ist noch nicht spruchreif.

Der neue Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stefan Bergmann, begleitete Frau Lutum-Lenger einen Tag lang bei Ihrer Arbeit und hat dies für uns dokumentiert.

*Die Vorlesefunktion nutzt Voice Reader Web von linguatec.de

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