Unternehmenskultur

Klangkultur fördern und bewahren

Warum sich die L-Bank mit ihrer einzigartigen Instrumentensammlung »Zeitzeugen« der ganz besonderen Art verschrieben hat
Bereits 1984 begann die L-Bank mit dem Ankauf alter Musikinstrumente. Mit der Zeit ist die Sammlung gewachsen und umfasst heute die stattliche Zahl von 22 Instrumenten. Doch- so mag man sich fragen- wie kam es überhaupt dazu, dass eine Bank Instrumente sammelt? Die Antwort ist einfach, aber ungewöhnlich: Den Grundstein der Sammlung legte Rolf Schoeck, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der L-Bank, dessen besondere Liebe der Musik galt. Gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Rudolf Eberle entwickelte er die Idee, der jungen, damals schon als äußerst begabt geltenden Anne-Sophie Mutter den Erwerb einer Stradivari-Violine zu ermöglichen, um deren Talent weiter zu fördern. Die Preise für die Instrumente der berühmten italienischen Geigenbaumeister waren und sind sehr hoch und privat für junge Künstler kaum finanzierbar. Die unkonventionelle Idee: Die L-Bank fördert den Erwerb mit einem zinsverbilligten Darlehen, so wie die Existenzgründung eines Mittelständlers finanziert wird. Angeregt durch diese Fördermaßnahme stellt die L-Bank seitdem jungen Künstlern und Konzertmeistern, die sich bereits einen Namen gemacht haben, die passenden „Werkzeuge" in Form von Instrumenten leihweise zur Verfügung. Bei diesem Vorhaben ging es nie darum, eine Sammlung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten oder als reine Wertanlage aufzubauen, sondern an erster Stelle junge Talente zu fördern und um die Ausstattung von Orchestern im Land, um deren Klangqualität zu erhöhen. Heute umfasst die Sammlung unter anderem18 Streichinstrumente, davon 11 Violinen, 3 Violen und 4 Celli, die alle gespielt werden.

Der Beginn der großen Geigenbauer-Dynastien wird um 1580 datiert und nahm seinen Anfang in Cremona und endet schließlich im späten 18. Jahrhundert. Es war ein Zeitalter, welches durch das tiefe Geheimnis um die Konstruktionsprinzipien, Hölzer und Lackrezepturen eines Streichinstruments geprägt war. Zwar existieren noch heute - insbesondere von Stradivari -Zeichnungen, Schablonen und Formen. Doch das Wissen, auf dem die Prinzipien basieren, erschließt sich den Gelehrten nicht. Den Schlüssel zu jenem einzigartigen Klang den jedes der Instrumente bis heute besitzt, haben die großen Meister mit ins Grab genommen. Mit den wirtschaftlichen Umwälzungen Anfang des 19. Jahrhunderts, welche die industrielle Revolution mit sich brachte, verlor Italien zunehmend den wirtschaftlichen Anschluss gegenüber den aufsteigenden Nationen des Nordens - Frankreich und England. Das sich etablierende Bürgertum sorgte für eine große Nachfrage nach Instrumenten. Allerdings auf einem weitaus günstigeren Niveau als die italienischen Klassiker. Die unerreichbaren Meisterwerke wurden aber zu Vorbildern zahlreicher Geigenbauer, sie versuchten, den großen Italienern der vergangenen Jahrhunderte nachzueifern. Gleichwohl sind die Arbeiten Amatis, da Salòs, Gennaros, Rogeris, Stradivaris, Guarneris, Balestrieris und Guadagninis bis heute unerreicht. In ihrer originären Schönheit. Vor allem aber in ihrer einzigartigen Synthese aus Material, Form und Klang.

Spannend und faszinierend sind neben der hohen handwerklichen Kunst der italienischen Geigenbauer aber auch die vielen Geschichten, Anekdoten und Mythen, die sich rund um die einzelnen Instrumente ranken, denn viele von Ihnen haben eine bewegte, über jahrhunderte währende Reisen, teilweise über alle Kontinente hinweg, hinter sich und gingen durch unzählige Hände berühmter und auch weniger berühmter Menschen. Manche schlummerten jahrzehntelang in Tresoren oder aber befanden sich als gut gehütete Erbstücke in Privatbesitz. Längst sind die Namen ihrer Schöpfer wie Stradivari, Guaneri, Guadagninis oder de Salòs zu einer Art Synonym für allerhöchste Klangkultur geworden und die einzelnen Instrumente zum Symbol einer Schaffensperiode, deren Perfektion nie wieder erreicht wurde.

Mit Hilfe des Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen gelang es der L-Bank viele der verschlungenen Wege der Instrumente von ihrer Entstehung über verschiedenste Besitzer in der ganzen Welt zurückverfolgen um sie schließlich ankaufen zu können. Maßgeblich mitbeteiligt an der L-Bank-Instrumentensammlung ist auch der Stuttgarter Geigenbaumeister Hieronymus Köstler, der maßgeblich am Aufbau und an der Dokumentation der Sammlung beteiligt war.

Doch wie kommen nun junge, begabte Musiker an ein solches Instrument? Da die L-Bank selbst nicht über diese besondere Form von Fachwissen verfügt und sich dies auch nicht anmaßen will, hat sie zu diesem Zweck 1990 die Die L-Bank - Musikstiftung gegründet. Mit der Errichtung dieser gemeinnützigen Stiftung wollte die L-Bank einen weiteren Beitrag zu ihrem staatlichen Auftrag leisten, neben diversen wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten auch kulturelle Maßnahmen zu fördern. Der Zweck der Stiftung ist laut ihrer Satzung die Förderung der musischen Künste, und zwar insbesondere durch die Vergabe von Stipendien, Zuschüssen und Preisen an besonders begabte Künstler, aber auch durch die Verwaltung und Überlassung der hochwertigen Musikinstrumente aus der Instrumentensammlung der L-Bank an herausragende Künstler sowie Orchester mit Tätigkeitsschwerpunkt in Baden-Württemberg. Derzeit verwaltet die L-Bank - Musikstiftung 17 wertvolle Streichinstrumente aus dem Bestand der Bank. Die Einnahmen aus der Überlassung dieser Instrumente schüttet die Stiftung wiederum in Form von Stipendien und sonstigen Fördermitteln an Künstler und musikalische Einrichtungen in Baden-Württemberg aus. Hierbei wird der Stiftungsvorstand beratend unterstützt durch ein Kuratorium, das derzeit aus dem Vorsitzenden des Vorstands der L-Bank, Christian Brand, den Rektoren der Musikhochschulen von Karlsruhe und Stuttgart, Prof. Höll und Prof. Heinrichs (Rektor der Musikhochschule Stuttgart), sowie Prof. Schreier (Musikhochschule Trossingen) und Christian Lorenz (Bachakademie Stuttgart) besteht.

Zum Kreis der Musiker und Musikerinnen, die heute eines der Instrumente spielen, gehören unter anderem die Geigerin Isabelle Faust, der Geiger Linus Roth, der Cellist Claudio Bohorquez, Wolf-Dieter Streicher, der Konzertmeister des Orchesters der Stuttgarter Staatsoper (Er spielt die älteste der Stradivaris, die „La Tullaye" aus dem Jahre 1669), Dirk Hegemann (er spielt das älteste Instrument der Sammlung, die prächtige da-Salò-Bratsche) und Mila Georgieva, die Konzertmeisterin des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR.
(Wenn ein Instrument gestohlen würde, wäre dies natürlich ein unersetzbarer Verlust. Selbstverständlich sind alle Instrumente versichert, doch der Verlust wäre nicht nur ein materieller, sondern insbesondere auch ein künstlerisch-ideeller, und letzteren könnte keine Versicherungsleistung auch nur annähernd kompensieren. Von diesem Verlust betroffen wäre dann auch nicht nur die Bank als Eigentümerin, sondern auch der jeweilige Spieler, da diese ihr Instrument nicht nur als Arbeitsutensil - wenn auch als sehr wertvolles- sehen, sondern mit Leib und Seele an diesen hängen.)
Die L-Bank wird von Zeit zu Zeit gebeten, Instrumente aus ihrer Sammlung als Ausstellungsexponate zur Verfügung zu stellen. Ende April fand z.B. im italienischen Städtchen Salò am Gardasee eine Ausstellung anlässlich des 400. Todestages des dort geborenen Geigenbauers Gasparo da Salò statt. Die Stadt Salò bat daraufhin die L-Bank, ihre schöne da-Salò-Bratsche für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen. „Es hat mich erhebliche Überredungskunst gekostet, Dirk Hegemann, den Spieler der Bratsche, dazu zu bringen, das geliebte Instrument einen vollen Monat lang aus der Hand zu geben. Dabei spielte weniger eine Rolle, dann während der Ausstellungszeit ersatzweise ein anderes Instrument spielen zu müssen, als vielmehr, von einer Art „lieb gewonnener Lebensgefährtin" getrennt zu werden." Berichtet Claudia Prutscher, die Geschäftsführerin der L-Bank- Musikstiftung. Im kommenden März wird die Stadt Köln im dortigen Wallraf-Richartz-Museum die größte Stradivari-Ausstellung aller Zeiten veranstalten, die u.a. auch von der L-Bank beschickt werden wird. Und auch hier ist sich Claudia Prutscher sicher „...dass die betreffenden wieder Musiker und Musikerinnen hin- und her gerissen sein werden zwischen dem Wunsch, dieses einmalige Vorhaben einerseits nach Kräften zu unterstützen, und der für sie gar nicht freudigen Aussicht, aufgrund beruflicher Zwänge ihrer Stradivari dann während der Ausstellung mit einem Ersatzinstrument „untreu" werden zu müssen."-

 


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