In Eberbach am Neckar geboren und aufgewachsen in Adelsheim, startete Michaela Schneider ihre musikalische Laufbahn bereits früh, angeregt und gefördert durch ein überaus musikalisches Elternhaus. Bei der Mutter, einer Grundschullehrerin, sang sie im Schulchor, beim Vater, einem Gymnasiallehrer und Leiter einer Theater-AG, übte sie als Kind schon szenische Bühnenarbeit. Sie lernte zunächst Blockflöte und Klavier, später kam noch die Oboe hinzu. Trotz der verschiedenen Instrumente war es doch vor allem das Singen, das sie besonders faszinierte. Sie ist sich sicher, dass sie ihr Gesangstalent von ihrer Großmutter geerbt hat: „Sie hatte eine ausgebildete Opernstimme und immer wenn ich sie besucht habe, hat sie von morgens bis abends gesungen. Wie ich!“ erinnert sich Michaela Schneider und lacht. Der Wunsch, die Musik zum Beruf zu machen, stand für sie jedenfalls nie zur Debatte. Nur mit welchem Instrument? Das erste öffentliche Vorsingen wurde zum Schlüsselerlebnis: „Es war leicht und mühelos“ erinnert sie sich „ganz im Gegensatz zum Vorspielen auf dem Klavier, für das ich über Wochen oft stundenlang geübt hatte.“ Nach dem Abitur studiert zunächst an der Musikhochschule in Freiburg, später in Hannover. Für ihre erste Lehrerin ist sie ganz klar eine Altistin. Wohlgefühlt hat sie sich in der tiefen Stimmlage jedoch selbst nie. Fast alle ihre Lieblingsarien waren für Sopran geschrieben und sie beginnt diese auf eigene Faust einzustudieren. „Aber“, so die Sängerin im Rückblick „...das war nicht ganz ohne Risiko, denn ich habe oft einfach die waghalsigsten Stücke gesungen, ohne Rücksicht auf mein Material...“. Über ein Jahr unterstützt sie dann vor allem Prof. Hollweg in Freiburg bei der „Suche“ nach ihrem Stimmfach und mit Erfolg! Bereits während des Studiums in Hannover bekommt sie erste Engagements bei verschiedenen Festivals unter anderem in Zwingenberg am Neckar, es folgt ihre erste Opernrolle an der Staatsoper Hannover als Magd in Strauss‘ „Elektra“. Schließlich übernimmt sie in Hamburg die Hauptrolle in „Powder her Face“, einer zeitgenössischen Oper. Nach verschiedenen Gastauftritten wird sie als festes Ensemblemitglied in Hannover engagiert. An die Staatsoper Stuttgart wechselte sie mit Albrecht Puhlmanns Neuberufung zum Intendanten vor zwei Jahren. „Die Kollegen hier und das Haus haben mich gleich mit offenen Armen aufgenommen“, schwärmt die sympathische Sängerin. Dies erleichterte ihr wesentlich den Wechsel von Hannover, das ihr fast zur zweiten Heimat geworden war, nach Stuttgart, wo sie sich mittlerweile eingelebt hat und auch sehr wohlfühlt in ihrer Altbauwohnung mitten in der Stadt. Da sie die Natur sehr liebt, schnappt sie sich öfter ihren Leihhund, einen Schäferhundmix, und hat auf langen Spaziergängen schon viel von den schönen grünen Flächen und den Wäldern in und um Stuttgart erkundet – das ist für sie Entspannung pur! An ihrer Arbeit fasziniert sie noch immer, mit einer Rolle gänzlich verschmelzen zu können, alles um sich herum für einige Stunden zu vergessen. Michaela Schneider ist keine Diva, hat keine Allüren, wie man sie speziell den Sängern oft nachsagt und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, wenn sie erzählt. Dies gilt auch für ihre Karriere. Während andere sich für das hektische Leben zwischen Gastauftritten hier und dort entscheiden, schätzt sie die Konstanz, den Luxus, an einem festen Haus wie Stuttgart verpflichtet zu sein. Ihr Sopran verfügt über einen schönen runden Klang mit dunklem, warmen Timbre (den sie sicherlich ihren sängerischen Anfängen als Alt verdankt), ihr Bühnenspiel ist echt und natürlich. Dem hiesigen Publikum hat sie sich bereits als Donna Elvira in „Don Giovanni“ und als Gretel in „Hänsel und Gretel“, Vitellia in „Titus“, Fiordiligi in „Così fan tutte“ und Debussys Mélisande vorgestellt. Lampenfieber, so die Sängerin, habe sie eher selten, dies hänge vor allem von der jeweiligen Rolle, ihren stimmlichen Herausforderungen und natürlich auch von den Faktoren wie Regie und Besetzung ab. Bisher, so sagt sie, habe sie großes Glück gehabt, denn die Rollen kamen immer zur richtigen Zeit in ihrer sängerische Entwicklung, so wie jetzt die, der Tatjana in „Eugen Onegin“, mit der sie im Januar in Stuttgart zu hören sein wird. In die Rolle der Tatjana zu schlüpfen, in ihre romantische, tragische Gefühlswelt, darauf freut sie sich ganz besonders, auch oder gerade deshalb, weil die Figur so viele Seiten hat, die sie nachfühlen kann und doch auch so viele andere Facetten, in die sie sich noch „hineinleben“ muss und wozu auch das Einstudieren des russischen Textes und deren richtige Aussprache gehören. Die neue Stuttgarter Inszenierung spielt zu Beginn auf der Baustelle einer Plattenbausiedlung und nicht auf einem Gutshof wie zu Puschkins Zeit. Tatjana schreibt ihre Liebesgeständnisse auch nicht in einem Brief nieder, sondern auf Plakate, die an Bauzäunen hängen. Durch den modernen Regieansatz, der zunächst sehr nüchtern eanmutet, ändert sich jedoch ihrer Meinung nach nichts an der leidenschaftlichen Gefühlswelt Tatjanas, sondern unterunterstreicht sie durch den Gegensatz umso mehr“, so die Sängerin und sie ist bereits neugierig und gespannt auf die szenischen Proben, die demnächst für sie beginnen werden! Spannend wird sicher auch ihre nächste Partie: Im Frühjahr 2009 wird sie in der Reihe „zeitoper“ der Staatsoper in der Auftragskomposition „Paulinenbrücke“ zu sehen und zu hören sein.
Termine:
Eugen Onegin: 3., 6., 10. 18., 23. Januar
Zeitoper/ Paulinenbrücke: UA 23. Mai, 23., 26., 30. Mai, 1., 3., 5. Juni
Après-Ski versus Abrissbirne: „Eugen Onegin“ als modernes russisches Gesellschaftsportrait Dior, Versace und Prada oder Arbeitslosigkeit, Armut und Abrissbirne? Dem Antagonismus von Luxusleben und Looser-Dasein spürt Regisseurin Waltraud Lehner in ihrer Regiearbeit nach. Sie zeichnet Tschaikowskis Oper „Eugen Onegin“ als modernes, russisches Gesellschaftsportrait. Im Zentrum ihrer Arbeit steht für Regisseurin immer die Frage „Was ist das für eine Welt, in der wir leben?“ . In „Eugen Onegin“ spürt sie nach, wie sich eine verändernde, vom kapitalistischen Wandel erfasste Gesellschaft am Einzelnen vollzieht. „Wir begegnen in dieser Oper sehr jungen Menschen. Für beide ist es eine Suche nach Identität,“ so Lehner. Denn was sei das Eigene, was gesellschaftliche Zwänge? Im Laufe einer Sozialisationsgeschichte füge man sich immer mehr in eine gesellschaftlich vorgegebene Rolle ein – bis zur Selbstaufgabe: „Das ist natürlich kein spezifisch russisches Phänomen, aber gerade in einem postkommunistischen Staat wird diese Selbstsuche problematisch, angesichts der sich rasant und rapide vollziehenden Veränderungen, welchen die Menschen kaum noch folgen können.“ Filmische Einblicke in die Neuproduktion unter: www.staatstheater.stuttgart.de/oper/start.htm