Live Music Now vermittelt also einerseits die Grundüberzeugung Lord Menuhins, dass Musik auch Therapie ist und verbindet sie zugleich mit einem weiteren wichtigen Herzenswunsch Menuhins: mit der Förderung junger, talentierter Künstler, die am Beginn ihrer Karriere stehen.
Das Musizieren vor Menschen, die überwiegend in sozialen Einrichtungen leben und deswegen in ihrer Mobilität beschränkt sind, gibt nicht nur den Zuhörern Kraft und Trost, es ist auch für die ausübenden Musiker eine prägende, für eine erfolgreiche Karriere wichtige Erfahrung. Das Musizieren vor ungewohntem Publikum ist für sie eine wichtige Erfahrung auf dem Weg zur menschlichen und künstlerischen Reife. Die Musiker erhalten die Gelegenheit, sich in der Kunst des Vortragens zu üben und den Kontakt zum Publikum zu finden. Sie lernen, in unbekannten Situationen vor einem ungewohnten Publikum zu musizieren und sammeln dabei Erfahrungen für ihr späteres Konzertleben. Darüber hinaus legt Live Music Now größten Wert auf unprätentiöses Musizieren, auf eine dem Publikum angepasste Programmauswahl, auf persönliche Ausstrahlung sowie auf die Bereitschaft der Künstler, dem Publikum nach einer Veranstaltung auch zu einem Gespräch zur Verfügung zu stehen.
Die Musiker werden im Rahmen von Vorspielen an Musikhochschulen vor einer Live Music Now - Jury, bestehend aus hervorragenden, aktiven Musikern, nach strengen Kriterien ausgewählt und in die Live Music Now Förderung aufgenommen. Neben der künstlerischen Begabung wird von den jungen Musikern Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz gefordert. In Stuttgart geschieht dies in enger Kooperation mit der Stuttgarter Musikhochschule und deren Rektor Professor Heinrichs. Für die Konzerte erhalten sie ein aus Spendengeldern finanziertes Honorar. Angehende Berufsmusiker bis zum Alter von 30, Sänger bis zu 33 Jahren, können sich bei Live Music Now bewerben.
Die Finanzierung der Konzerte erfolgt ausschließlich durch Spenden. Der - nicht kommerziell arbeitende - und als gemeinnützig anerkannte Verein ist daher auf Spenden angewiesen.
In Deutschland wurde der erste Verein 1992 in München gegründet, mittlerweile gibt es den Verein in 16 deutschen Städten bzw. Regionen (Augsburg, Berlin, Dresden, Franken, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Köln, Lübeck, Münsterland, Oberrhein, Rhein-Ruhr, Rostock, Stuttgart)
Lord Menuhin
Lord Menuhin wurde 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Eltern geboren. Mit acht Jahren trat er erstmals in einem großen öffentlichen Konzert als Solist auf.
Mit dreizehn Jahren erlangte er Weltruhm durch ein legendäres Konzert in Berlin, als er die drei Violinkonzerte von Bach, Beethoven und Brahms unter Bruno Walter an einem Abend spielte. Von da an wurde er als "Wunderkind" und "Jahrhundertgeiger" gefeiert und verbrachte sein Leben hauptsächlich auf Konzertreisen. Als Humanist und Weltbürger setzte er sich für die Benachteiligten dieser Welt ein, konzertierte für Schwarzafrikaner in Südafrika während der Apartheid, kämpfte in der Sowjetunion gegen die Verfolgung von Solschenyzin und gegen die Restriktionen, denen befreundete Musiker wie Rostropowitsch, Oistrach, Schostakowitsch u.a. ausgesetzt waren. Nach dem 2. Weltkrieg spielte er als erster jüdischer Musiker wieder in Deutschland und nahm Furtwängler demonstrativ gegen Anfeindungen in Schutz. In Israel setzte er sich für die Schaffung eines Palästinenserstaates ein. Er gründete Schulen, Festivals und humanitäre Organisationen wie Live Music Now. Weltweit wurde er mit den wichtigsten Auszeichnungen geehrt, u.a. 1979 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In seinen späteren Jahren setzte er seine Karriere als Dirigent fort 1982 wurde er Chefdirigent des Royal Philharmonic Orchestra. Er starb während einer Deutschlandtournee am 12. März 1999 in Berlin.
Historie von Live Music Now
1977 gründete Yehudi Menuhin die europäische Organisation Live Music Now.
Seit der Gründung 1977 in England konnte sich Live Music Now in 14 Ländern
etablieren.
Seit 1992 gibt es Live Music Now in Deutschland:
Seit 1992 in München, seit 1996 in Berlin und Frankfurt am Main, seit 1997 in Dresden und Franken, seit 1998 in Hamburg, seit 2000 in Karlsruhe Oberrhein, seit 2001 in Düsseldorf (Rhein/Ruhr), seit 2002 in Köln und Augsburg, seit 2004 in Hannover, Lübeck und Rostock, seit 2005 in Münster und Stuttgart, seit 2007 in Heidelberg/ Mannheim (Rhein-Neckar).