EIN TAG MIT...

Anke Bohne, Kuratorin der Homer Ausstellung an den Mannheimer Reiss-Engelhorn Museen

Was macht eigentlich ein Kurator und was bedeutet dieses Wort überhaupt? Es leitet sich vom lateinischen Verb „curare“ ab, zu deutsch: „pflegen, sorgen um“. Nach bürgerlichem Recht sind Kuratoren gerichtlich bestellte Aufseher von Personen, Stiftungen oder einem Verein. Verwaltungsrechtlich gehören auch Aufsichtsbeamte im Bildungswesen dazu. Am häufigsten arbeiten Kuratoren jedoch an Museen oder Galerien. Sie tragen dann die Verantwortung für eine Sammlung, eine Ausstellung oder ein Projekt. Kuratoren kümmern sich um die wissenschaftliche Betreuung der Projekte, sie entwickeln das Ausstellungskonzept, das Rahmenprogramm und sorgen für eine ansprechende Präsentation der von ihnen ausgewählten Exponate. Von der Idee bis zur Ausführung hat der Kurator die unterschiedlichsten Dinge zu erledigen, dazu zählen mitunter Gespräche mit Kurierdiensten, die wichtige Einzelstücke aus fernen Ländern bringen, aber auch die Suche nach potenziellen Geldgebern für Sonderausstellungen, der Umgang mit Leihgaben, in enger Abstimmung mit der Registrar, einer Fachkraft für versicherungstechnische Fragen. Der Kurator bildet bei einem Projekt häufig die Schnittstelle. Er liefert der Pressestelle die inhaltlichen Informationen, feilt mit der Museumspädagogik am Begleitprogramm und bedenkt mit dem Restaurator Aufbau, Klima und Lichtzahlen für die meist empfindlichen Objekte. Sobald das Konzept steht, gilt es Detailfragen zu lösen: wo stehen die Vitrinen? Wohin mit den Texten und wie wissenschaftlich sollen die Erläuterungen sein, kommt erst das Fremdwort und dann die deutsche Erklärung oder umgekehrt?
Anke Bohne, Kuratorin der Homer Ausstellung an den Mannheimer Reiss-Engelhorn Museen
Anke Bohne (Foto: Jean Christen)
Es gibt keine einheitlich geregelte Ausbildung zum Kurator. Die Aufgaben variieren je nach Arbeitsplatz beträchtlich. Auch die Einsatzbereiche von Anke Bohne sind vielfältig, kein Arbeitstag gleicht dem anderen, selbst wenn einige Dinge (wie emails checken) täglich anfallen. Die 35-jährige promovierte Archäologin arbeitet seit Juni 2007 als Volontärin am REM in der Stabsstelle Projekte. Seit Januar 2008 vertritt sie die Kuratorin Claudia Braun und kuratierte mit Kollegen die große Sonderausstellung „Homer. Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst" vor, die ab 14. September in den REM zu sehen ist.

8.30 Uhr Mein Tag beginnt nach einer kurzen Fahrradfahrt zum Arbeitsplatz in der Innenstadt damit, dass ich im Büro den Computer hochfahre und meine emails beantworte. Danach koordiniere ich meinen Tagesablauf bereite mich auf die „Wissenschaftlerrunde" vor.

9.00 Uhr Wir treffen uns zur wöchentlichen „Wissenschaftlerrunde", einem Forum zum Informationsaustausch. Alle Abteilungsleiter berichten kurz das Wichtigste.

10.00 Uhr Sobald ich zurück im Büro bin, frage ich bei einigen Leihgebern an, ob wir die Bilder ihrer Exponate für die Presse verwenden dürfen. Im Anschluss erstelle ich noch das Protokoll, um die Ergebnisse meiner Dienstfahrt nach Basel festzuhalten. Wir haben uns im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig die Homer Ausstellung angesehen, die wir von dort übernehmen, aber für die REM anders aufbereiten. Wichtig für die Ausstellungsvorbereitung ist es, einen Zeitplan zu haben, bezüglich Aufbau, Beleuchtung, Wandfarbe und vieles mehr. Ich mache mir Gedanken darüber, wie ich die Abfolge einzelner Objekte strukturiere und in welchen Vitrinen sie präsentiert werden sollen. Meine Vorschläge werden später im Team besprochen. Unser Ausstellungskonzept geht vom Dichter aus. Wir empfangen die Besucher mit Porträts des Dichters Homer. Wir wollen zeigen, wie die Erzählungen des Dichters in unterschiedlichen Zeiten rezipiert wurden.
Bei der Rezeption von Mythen stößt man immer wieder auf ungewöhnliche Aspekte.
Sehr spannend finde ich einen griechischen Trinkbecher, auf dem der Held Odysseus mit der Zauberin Kirke zu sehen ist. Kirke verwandelte ihre Gegner in Tiere, die Gefährten des Odysseus in Schweine. Der ca. 2400 Jahre alter Trinkbecher zeigt die beiden, anders als sonst, in karikaturhafter Darstellung.


12.30 Uhr Die Zeit vergeht wie im Flug, der Hunger meldet sich, ich gehe mit Kollegen gemeinsam in die städtische Kantine und genieße ein vegetarisches Mahl. Bei grünem Tee bespreche ich anstehende Arbeitspunkte.

13.30 Uhr Gestärkt komme ich an den Arbeitsplatz zurück und beginne im Internet zu recherchieren, auf der Suche nach Ideen zu einem attraktiven Rahmenprogramm. Welche Wissenschaftler könnten mit spannenden Vorträgen die Ausstellung ergänzen. Eben kommt eine Kollegin und bittet mich, einen Leihvertrag für ein Objekt aus Italien anzusehen.

15 Uhr Mit der Museumspädagogin bespreche ich das Rahmenprogramm. Mir liegt ein gutes Veranstaltungsprogramm sehr am Herzen. Ich würde gerne Tastführungen für Sehbehinderte oder Blinde anbieten. Allerdings weiß ich nicht, ob sich diese Idee, verwirklichen lässt. Die Originale dürfen natürlich nicht angefasst werden, das wäre nur mit Abgüssen möglich und wir müssen über die Finanzierung nachdenken. Wir sprechen auch über Lehrerfortbildungen und Filme, die im Zusammenhang mit dem Dichter stehen und die wir zeigen wollen.

17 Uhr Nach der Sitzung kehre ich an den Schreibtisch zurück, klicke den Bildschirmschoner weg und bearbeite eingegangene emails. Eine Kollegin hat mir einen Zettel hinterlassen mit der Bitte den Flyer Korrektur zu lesen, die Freigabe soll noch heute erfolgen, damit er morgen in Druck gehen kann.

18 Uhr Ich reflektiere die Eindrücke des heutigen Tages und denke nochmals über die mögliche Aufstellung der Exponate nach, bevor ich eine Ausstellungseröffnung im Haus besuche.


*Die Vorlesefunktion nutzt Voice Reader Web von linguatec.de

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