Kulturelle Kleinode im Land

Kunstraum Grässlin und Räume für Kunst St. Georgen

Sankt Georgen sagt vielen Kunstfreunden zunächst einmal nichts. Es ist ein Städtchen von 14000 Einwohnern irgendwo im tiefsten Schwarzwald, zwischen Stuttgart, Freiburg und Zürich. St. Georgen, der höchste Intercity-Halt in Deutschland, leidet unter seiner hügeligen Topografie, Industriebetriebe können sich hier im auf und ab der Hügel nicht genügend ausdehnen und so stehen viele Fabriken und Läden, in denen einst feinwerktechnische Betriebe Uhren oder Plattenspieler herstellten, heute leer. Hier kommt nun die Kunst ins Spiel, die Kunst der Sammlerfamilie Grässlin, die hier in St. Georgen in den letzten 13 Jahren ein bemerkenswertes Ausstellungssystem installiert hat. Seit 1995 nutzt die Sammlerfamilie Grässlin mit ihrem Projekt „Räume für Kunst“ die leer stehenden Ladenlokale und Fabrikhallen, aber auch Wohnungen, um zeitgenössische Kunst zu zeigen. Seit Juni 2006 gibt es den aus drei parallel verschobenen Betonkuben bestehenden „Kunstraum Grässlin“, der vom Kölner Architekten Lukas Baumewerd entworfen wurde. Ein Kunstraum, das Lager und das Restaurant „Kippys“ bilden einen weiteren zentralen Anlaufs- und Ausgangspunkt für die Durchwanderungen von St. Georgens Strassen. Jedes Jahr soll die komplette Inszenierung der Ausstellung erneuert werden.
Die Grässlins leben seit drei Jahrzehnten mit und für die Kunst, zählen aber nicht zu der Sorte Sammler, die ihre Schätze im Tresor verwahren. Regelmäßig gibt es öffentliche Führungen durch die privaten Räume der Familie, die durchzogen sind von modernster Kunst. Der gelernte Feinmechaniker Dieter Grässlin hatte in den 50er Jahren eine eigene Firma für Zeitschaltuhren gegründet. Vom Vater stammt der Sinn für Kunst, den alle Geschwister teilen. Die vom Vater intuitiv begonnene und von der Mutter zusammengehaltene Sammlung des Informel erweiterten die Kinder um Kunst ihrer Generation mit jungen deutschen und internationalen Künstlerpositionen unter der Sammlungskonzeption „Wenige Namen und große Werkkomplexe". Alle vier Geschwister haben sich der Kunst verschrieben: Bärbel leitet die Galerie Grässlin in Frankfurt, Carola die Kunsthalle in Baden-Baden, Sabine betreibt das Museumsrestaurant „Kippys", Thomas leitet mit seiner Frau Nanette die Geschicke der Stiftung und Sammlung. In regelmäßigen Abständen sollen im Ausstellungsraum wie in den externen RÄUMEN FÜR KUNST künstlerische Positionen aus dem Sammlungsbestand präsentiert werden.
Die neue Ausstellung wird „Martin Kippenberger aus der Sammlung Grässlin" heißen und wird ab dem 19. April 2008 bis zum 4. Januar 2009 gezeigt. Martin Kippenberger hat in zwei Aufenthalten gleich mehrere Jahre in St. Georgen verbracht und wurde selbst ein Teil der Familie Grässlin. Die Ausstellung wird jeden Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein. Führungen werden jeden Samstag ab 15 Uhr angeboten, abgesehen von der Sommerpause vom 2. August bis einschließlich 7. September. Das interessierte Kulturpublikum jedenfalls sollte sich diese kleine Stadt merken.
Ulrike Geist

Weitere Informationen:
KUNSTRAUM GRÄSSLIN, RÄUME FÜR KUNST
Museumstraße 2
78112 St. Georgen
Telefon 07724/8598297

www.sammlung-graesslin.eu



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